Die Hochzeit des Figaro

Oper von Wolfgang Amadeus Mozart

Musikalische Leitung

Mino Marani

Regie

Caroline Stolz

Bühne und Kostüm

Lorena Díaz Stephens & Jan Hendrik Neidert

Dramaturgie

Thorsten Klein

Premiere

29.10.2016

Theater Pforzheim

 

Mit: 

Paul Jadach | Silvia Micu | Franziska Tiedtke | Elisandra Melián | Cornelius Burger | Danielle Rohr | Manuela Wagner | Gabriela Zamfirescu | Alexandar Stefanoski | Johannes Strauß | Spencer Mason und dem Chor des Theaters Pforzheim und der Badischen Philharmonie Pforzheim

 

Pforzheimer Zeitung

Montag, 31. Oktober 2016

Immer wieder gerne wird Mozarts „Figaro“ als Sozialdrama – Adel gegen Bürgertum – oder als Geschlechterkampf – Männer gegen Frauen – auf die Bühne gebracht. (...) Dass diese wunderbare Oper all dies letztlich gar nicht nötig hat, zeigt jetzt Regisseurin Caroline Stolz am Theater Pforzheim. Sie macht es sich scheinbar leicht – und legt sich auf kein bestimmtes Thema oder eine konkrete Zeit fest. Lediglich die Kostüme mit Rokoko-Touch (Ausstattung Jan Hendrik Neidert/Lorenza Diaz Stephens) geben einen Hinweis. Doch gerade diese Zeitlosigkeit, diese Leichtigkeit, mit der die Spielleiterin diese Geschichte um Liebe und Macht, Betrug und Verwechslung erzählt, ist ein hartes Stück Arbeit. Denn hier muss genau hingeschaut werden, was Susanna und Figaro, was Graf und Gräfin, was Cherubino und Barbarina wirklich fühlen – hinter der Fassade. Und genau dieser Blick gelingt der Regisseurin exzellent. Ihre „Hochzeit des Figaro“ lebt von wunderbarer Situationskomik, von großer Heiterkeit ohne jeglichen Klamauk, von einer genauen Zeichnung der Figuren, von perfekt abgestimmten Abläufen, von überraschenden Knalleffekten und von einem höchst spielfreudigen Ensemble, das auch eindrucksvoll singt.

Wie sich die oft widersprüchlichen Gefühle der Protagonisten in Mozarts Musik widerspiegeln, das bringen Dirigent Mino Marani und die Badische Philharmonie auf den Punkt: mit einer Fülle von Klangfarben, mit zupackendem Temperament und dem Mut zur notwendigen Süffigkeit. Und wenn Caroline Stolz dann zum Schluss dem Happy End der glücklichen Paare noch einen kleinen ironischen Schwenk mitgibt – der Graf kann’s nicht lassen und kneift Susanne in den Po, und die Gräfin lässt sich galant von Cherubino die Hand küssen –, dann ist das Publikum restlos zufrieden: Viel Beifall und Bravorufe für einen feinen und trotz drei Stunden Spieldauer kurzweiligen Opernabend.

 

 

Badische Neueste Nachrichten

Montag, 31. Oktober 2016

Caroline Stolz weist in ihrer Neuinszenierung von Mozarts „Hochzeit des Figaro“ am Pforzheimer Theater nicht auf das Wetterleuchten der Revolution hin, die wenige Jahre nach der Uraufführung der Komödie von Beaumarchais in Frankreich ausbrach, sondern zeigt, wie sich Diener und Herrschaft gemäß dem zweiten Titel der Komödie einfach einen „tollen Tag“ machen. Gleich sind sie ohnehin alle, denn Lorena Diaz Stephens hat die Schlossbewohner als Sprösslinge der Commedia dell’ Arte mit Spitzen und Schleifen, gefältelten Bändern und Volants, Schleifen und Troddeln, in Rüschen gezogen Krausen und Federn herausgeputzt, dass die Standesunterschiede allenfalls an den Perückentürmen auszumachen sind. Wie im alten Stegreifspiel lässt Stolz sie gerne im Rampenspiel Einigkeit mit dem Publikum herstellen und im gezierten Küsschen nach Applaus schielen, sie drückt auf Tempo und nutzt vor allem in den Ensembles die alerte Spiellust der Akteure (...)