DER STUMME DIENER

Regie

Caroline Stolz

Bühnen- und Kostümbild

Lorena Díaz Stephens und Jan Hendrik Neidert

Mit

Sergej Gößner | Markus Löchner

Premiere

17.09.2016

Theater Pforzheim, 

 

Badische Neueste Nachrichten

Montag, 19. September 2016

Das Theater Pforzheim scheint seinen Fundus auf die Spielfläche des Podiums verlagert zu haben. Orientteppiche und ein riesiger Kronleuchter, ein altes weißes Metallbett auf Rollen, ein beleuchteter Schminktisch, Sofa, Sessel, viele Hocker und eine Kirchenbank, hohe Regale, Kartons und Körbe, Perücken und Kostüme, Skelette, Schneemänner und ein Bobby-Car: Überladen und unüberschaubar ist der Raum, in dem „Der stumme Diener“ rätselhafte Forderungen überbringt. Die äußere Welt spiegelt die innere Verfassung der Protagonisten Ben und Gus: Eingebunden in eine Organisation, die sie nicht verstehen, beherrscht von Zweifel und Angst. Beide hoffen, dass alles bald vorbei ist – aber was geschieht, wenn sie weg sind?

In Pforzheim hat Caroline Stolz das Stück mit einem deutlichen Fokus auf dem Grotesken inszeniert: Das Grauenhafte und das Lächerliche fallen zusammen; während die beiden Killer zwischen stumpfer Befehlserfüllung und quälenden Sinnfragen schwanken, kämpfen sie mit den Dingen, die ein Eigenleben zu entwickeln scheinen. So stolpert Ben wiederholt auf einer bestimmten Teppichstelle, verbrennt sich mehrmals an der Kirchenbank, kämpft mit einem ausgestopften Raben, der davonzufliegen droht.

Markus Löchner als scheinbar abgebrühter, schnell aufgebrachter Ben und Sergej Gößner als verunsicherter, Halt suchender Gus zeigen die ganze Vielfalt ihres schauspielerischen Könnens, von vollem Körpereinsatz bis zu feinen Nuancen der Mimik (...) Die Spannung zwischen ihnen steigt; sie kämpfen um Nebensächliches, um idiomatische Wendungen, um Streichhölzer, um Tee, Kekse und Kartoffelchips. Während Gus vergeblich versucht, seinen Schoko-Drink zu retten, erinnert sich der Theaterbesucher: Der gleiche Schoko-Drink beflügelte in der vergangenen Spielzeit die Helden des Stücks „Rosenkranz und Güldenstern sind tot“ von Tom Stoppard, ebenfalls von Caroline Stolz inszeniert. Mit „Der stumme Diener“ setzt das Theater Pforzheim erneut erfolgreich auf die Faszination des Grotesken.

 

Pforzheimer Zeitung

Montag, 19. September 2016

Regisseurin Caroline Stolz rückt das Geschehen in das von Jan Hendrik Neidert und Lorenza Diaz Stephens üppig ausgestattete Ambiente einer mit Requisiten vollgestopften Rumpelkammer, die sich als Pforzheimer Theaterfundus herausstellt. Reste von laufenden und einstigen Produktionen lagern da in den Regalen und werden von den Darstellern ständig bespielt – meist mit bizarrer Komik (...). Das ist geistreich gemacht (...).

Eine krasse Fallhöhe zum schreckensvollen Finale sollen auch die ausgewählten musikalischen Zwischenspiele aus Pforzheimer Repertoire-Stücken herstellen, die in der ironischen Brechung durch die beiden Darsteller einen schrillen Witz erhalten. 

So ist denn dieser „Stumme Diener“ ein verdienstvoller Versuch, das Stück dem heutigen Repertoire zurückzugewinnen.